Auszug aus der Vereinschronik
des
Obst- und Gartenbauvereins
Sigmaringendorf – Laucherthal
 

1923 – 2008 

Schon in früheren Zeiten ist hier Obst angebaut worden, ja sogar Wein. Die noch heute bestehenden Flurnamen „Baum- und Weingarten“ sind Indiz hierfür.Bereits im Jahr 1810 legte der damalige, auf Fortbildung bedachte Pfarrer Plazidus Albrecht im hiesigen Pfarrgarten eine Baumschule für die Jugend an.Allgemein hatte man schon lange den Wert und die Bedeutung des Obstbaus erkannt, und im Jahr 1883 ist für das damalige Kreisgebiet Sigmaringen der Landespomologe und Obstbaulehrer Josef Deigendesch in Sigmaringen angestellt worden. Er war bis 1926 erfolgreich tätig und hat in dieser Zeit verschiedene Schriften über den Obstbau verfasst.Bei uns im Dorf trafen sich Karl Glattes sen. und sechs weitere Obstgarten betreibende Männer und luden zu einer Versammlung ein. Unter dem Vorsitz des geladenen Obstbauinspektors Martin wurde dabei am

9. Dezember 1923
der
Obstbauverein
Sigmaringendorf – Laucherthal

aus der Taufe gehoben.Sofort sind 70 Personen der Vereinigung als Mitglieder beigetreten und wählten folgende Vorstandschaft:

Vorsitzender   Karl Glattes sen.   Schlossermeister 
Beisitzer Mathias Geschwender Hafnermeister 
Beisitzer  Venust Boos Postbeamter 
Schriftführer Wilhelm Siebenrok  *Hüttenbeamter 
Kassier  August Stecher   *Gemeindeangestellter 
Vereinsdiener Richard Kugler    Landwirt und Waldarbeiter

Die in der Vorstandschaft mit * bezeichneten Personen fungierten später als Bürgermeister
in unserer Gemeinde und zwar: Stecher von 1924 – 1945 und Siebenrok 1945 – 1953

Die Männer der ersten Stunde waren neben Karl Glattes:

Xaver FickLandwirt  Laucherthaler Str.
Josef Geschwender MaurermeisterSilbergasse 
Mathias GeschwenderHafnermeister Friedhof Str. 
Josef Häberle Gärtner  Walke 
Edmund Rebholz Landwirt Laucherthaler Str. 
Josef Reck  Walzer Bohl 


Als Vereinsziel wurde in der Satzung vom 13.01.1924 folgendes festgehalten:
Der Zweck des Vereins ist die Pflege und Förderung des Obstbaues in Sigmaringendorf und Laucherthal.Dies soll geschehen durch:Verbreitung obstbaulicher Kenntnisse, Information und Weiterbildung durch Vorträge, Kurse spezifisches Schrifttum sowie gegenseitige Hilfe und Wissensaustausch, gemeinschaftlicher Bezug von Obstbäumen und Sträuchern, Werkzeug, Hilfs – und Pflegemitteln, Veranstaltungen von Ausstellungen und Obstschauen, Organisation des Obstabsatzes und Einführung guter Verwertungsmethoden, Verhinderung von Baumfrevel und Obstdiebstahl durch Ausschreibung von Prämien.
Der Jahresbeitrag wurde auf  1,00 Rentenmark festgelegt. Im Übrigen galten die allgemein gültigen Vereinsregularien.
 

 

1924 -1928

Entfalteten sich bereits rege Aktivitäten, neue Mitglieder meldeten sich, durch Hinzuziehung von Fachleuten wurde theoretisches Wissen vermittelt und in Rundgängen praktisch vertieft. Fachvorträge waren sehr beliebt.Bei einer Versammlung ist der Wunsch geäußert worden, dass Mitglieder eine praktische Ausbildung in entsprechenden Kursen erhalten sollten. Dieses zeigt, dass hier ein großer Nachholbedarf vorhanden war.Um dem schon seiner Zeit relevanten Problem: Baumfrevel und Obstdiebstahl zu begegnen, sind Nachtpatrouillen eingesetzt  worden.Der Verein beschloss 1925  seinen Beitritt zum neu gegründeten Obstbauverband Sigmaringen. Der Zusammenschluss aller Obstbauvereine diente der Förderung und Vermarktung dieses lohnenden Nebenerwerbs der Landwirtschaft. 

 1929 - 1934

 Es kam 1929 zu einer Vorstandskrise, und nach langem Hin und Her konstituierte sich das Gremium, wie folgt:

1.    Vorstand:         Karl Glattes sen.
2.    Vorstand:         Fridolin Wälder
3.    Kassier:           Gustav Wälder
4.    Schriftführer:     Franz List 

1931 wurden 300 Jungbäume bepflanzt und zur Pflege schaffte man eine 80 Liter Baumspritze an.  Bernhard Haas wurde zum Spritzenmeister bestellt. 

1934-1946

Ging es um die Neuorganisation der Obstbauvereine im 3. Reich. Unter anderem ist der Begriff Vorstand durch Vereinsführer ersetzt worden. Es entstand ein Obstgartengürtel um das bestehende Wohngebiet mit ca. 5000 Bäumen. Die Ernährung durch heimisches Obst sollte durch die richtige Sortenauswahl, gute Düngung, intensive Pflege und Schädlingsbekämpfung gefördert werden. Während der Kriegsereignisse konnten viele Anlagen nicht gepflegt werden. Sorge bereitete auch die große Wühlmaus- und Maulwurfplage.  

1947

NeuanfangAufgrund eines Erlasses der Französischen Besatzungsmacht, waren alle Zusammenschlüsse aufzulösen und unter Aufsicht neu zu ordnen. So fand dann am 6. Juli 1947 im Gasthaus Löwen die Wieder- bzw. Neugründung statt. Mit Genehmigung der Franzosen gab sich folgende Konstantino:

1.    Vorsitzender:        Fridolin Wälder sen.
2.    Stellvertreter:        Johann Stecher
3.    Kassier:                Pankraz Munding
4.    Schriftführer:        Adolf Boos  

Den Zeiterfordernissen entsprechend erhielt der Verein nun einen neuen Namen:Obst- und Gartenbauverein Sigmaringendorf-Laucherthalum auch Personen aufnehmen zu können die keine Obstgartenbesitzer sondern Hobbygärtner sind. Karl Glattes langjähriger Vorstand wurde zum Ehrenvorstand ernannt. 

1948-1980

Dem in Sigmaringen ebenfalls neu gegründeten Kreisverband ist unser Verein 1948 beigetreten. Die wirtschaftliche Situation war schlecht und umfangreiche Arbeiten mussten erledigt werden.Die Obstanlagen zählten 1952 zu den besten im weiten Umkreis.Fortbildung war wichtig. Es wurden wieder Lehrfahrten unternommen. Die Anbaumethoden wurden verbessert um neben den Obstimporten bestehen zu können. Die Erneuerung der alten Baumbestände stand in den kommenden Jahren an. Besonderes Augenmerk legte man auf Garten- und Balkonschmuck. Auch die Obstverwertung war ein Thema.Nach fast 20 Jahren wurde 1966 eine neue Vorstandschaft  gewählt. Das neue Gremium setzte sich wie folgt zusammen:

1.    Vorsitzender         Josef Speh
2.    Stellvertreter         Josef Wachter
3.    Kassier                 Anton Ott       
4.    Schriftführer         August List 

Der Verein kümmerte sich immer mehr um den Bereich des Hausgartens und der Dorfverschönerung.   

1981 - 2008


Nach 15- jährigem Wirken trat 1981 Josef Speh als 1. Vorstand zurück. An seiner Stelle kam Alois Lösch. Stellvertreter wurde Hans Lang. Der neue Vorsitzende ernannte Josef Speh zum Ehrenvorstand. Im gleichen Jahr beteiligte  sich der Verein erstmals am Straßenfest und der erste Familienabend fand im November statt.
Eine weitere wichtige Aufgabe des Vereins wurde die Landschaftspflege. Gemeindeeigene Anlagen wurden bepflanzt und gepflegt. Der Verein widmete sich verstärkt den Haus- Nutz- und Ziergärten sowie der Balkonbepflanzung. Der Verein bietet heute Schnitt- und Veredlungskurse  sowie Aktivitäten zur Dorfverschönerung an. Lehrfahrten und Ausflüge stehen nach wie vor auf dem Jahresprogramm. Gedankenaustausch und Geselligkeit bieten wir beim Bratapfeltag, der Hauptversammlung und beim Familienabend. Mit einem Verkaufsstand unterstützen wir das jährliche Straßenfest. Weitere Vereinsaktivitäten erfahren sie in unserem Jahresprogramm. Bei Interesse an der ausführlichen Chronik (aus der Festschrift zum 75-Jubiläum des Obst- und Gartenbauvereins), wenden Sie sich bitte an den Vorstand.